Katrin Wrobel: Meine Tops und Flops von der Berliner Fashion Week 2016

Berliner Prominente und Persönlichkeiten schreiben exklusiv für die Gendarmenmarkt.de-Kolumne "Mein Berlin" über ihre Erlebnisse, Gefühle und Gedanken in und mit der deutschen Hauptstadt. Diesmal: Katrin Wrobel, Model, Schauspielerin und Ex-"Miss Germany", über ihre Besuche auf der Fashion Week 2016.
Katrin Wrobel arbeitet seit vielen Jahren in der Model-, TV- und Medien-Branche. Mit den Bereichen Fashion und Beauty ist sie darum bestens vertraut. Foto Teaser: © Stefanie Henn. Großes Foto: © Torsten Goltz

"Leder-Hotpants? Ja. Sie müssen es wollen, aber noch viel wichtiger, Sie brauchen den Anlass dafür"  

Von Katrin Wrobel

In Berlin ist jeden Tag etwas los. Leitspruch "Arm aber Sexy" war einmal (fast). Gott sei Dank! …es geht bald bergauf. Stattdessen beginnt es früh im Jahr zu glitzern.

Am Brandenburger Tor findet nun seit 2007 die Fashion Week statt. Anfänglich stiefmütterlich beäugt (Berlin hat eben seine eigenen Modegesetze) entwickelt sie sich langsam aber stetig. Designer präsentieren, fast am laufenden Band, ihre Kollektionen der kommenden Saison. Die ganz großen internationalen Designer lassen auf sich warten. Oder sollen wir sie bitten?! Uns ist es egal, weil wir viele wunderbare Lokalgrößen haben, die Frauen ebenso sinnlich, sexy und stilvoll anziehen und damit genau den Geschmack der potentiellen Trägerinnen treffen. Das soll es am Ende auch sein, Mode die Frau anzieht, ohne verkleidet zu wirken oder einem künstlich herbeigekrampften Look zu folgen.

In diesem Jahr präsentierten mehr Labels als gewohnt ihre Kollektionen. Einige davon beeindruckten mit fließenden Stoffen, figurbetonten Schnitten, mutigen Material-Kombinationen, lockeren Prints und viel Farbe. Endlich darf wieder Farbe mitten im Winter getragen werden.

Die Gäste haben es in den letzten Tagen nicht leicht. Nicht jede Show findet im großen Zelt am Brandenburger Tor statt, sondern etwas Abseits. Nun, als Außenstehender würde man doch annehmen, dass es für die Gäste der Fashion Week, die im übrigen auch internationale Gäste begrüßt, einen Shuttleservice gibt… Nö, der geübte Fashion-Week-Gänger hat einen erprobten Armschwung und ordert sich sein Taxi zur nächsten Show selbst. Aufgrund der vielen Labels sind die Shows eng getaktet und so wird man im Taxi leicht nervös, ob man es denn noch rechtzeitig zum Opening schafft. Wobei der Gast nach der Ankunft erstmal an der Einlasskontrolle, dem Check-in und der Garderobe vorbei muss. Zufrieden sinkt man dann auf seinen zugewiesenen Platz und schon geht es los. Musik ertönt und die Models schweben über den Catwalk.

Es wird Mode präsentiert, die es dem künftigen Konsumenten nicht immer leicht macht. So wurde unter anderem bei dem schwedischen Label "Odeur" Unisex-Mode präsentiert, in denen selbst die Models etwas hilflos aussahen. Natürlich entwarf das Label auch tragbare Styles, die von Schnitt und Auswahl des Materials her sehr gut aussahen. Es gab natürlich auch absolute Lieblinge wie "Lena Hoschek", die ihrer Linie treu blieb und unwiderstehlich weibliche, schmeichelnde, aristokratisch anmutende Fashion-Statements in warmen Orangetönen präsentierte.

Er darf nicht fehlen: Guido Maria Kretschmer. Er lässt uns in der kommenden Saison in Seide, Leder und Cashmere glänzen und das alles in unfassbar schönen Beeren-Tönen.

Marcel Ostertag brachte leider nur einen Teil seiner Kollektion "RAIN" mit, die dafür aber gespickt war mit schönen Kleidern in einem warmen Rot und einem "Haben-will-Kuschelmantel". Der zweite Teil der Kollektion wird in New York gezeigt.

Die österreichische Designerin Rebekka Ruétz glänzte mit einer Hommage an ihre Heimat und verband wieder gekonnt Leder mit schwebend leichten Materialien in zartem Eisblau und einem Hauch von Gelb.

Marina Hoermanseder ist die Einzige, die es schafft, dass ich beim Anblick ihrer Röcke Appetit bekomme. Um Missverständnissen vorzubeugen: Ihre Lederröcke sehen aus wie kleine kunstvoll verzierte Törtchen in zarten Pastelltönen, die mit zauberhaften kleinen Blüten besetzt sind. Es wird allerdings schwierig, sich in einem solchen Rock hinzusetzen, aber darauf kommt es gar nicht an.

Eher fallen ihre weichen Cashmere-Mäntel ins Auge und lösen ein dezentes „Ach, sieht der schön" aus. Leider sind auch bei diesem Walk einige Models in den Mega-Louboutins ins Schwanken geraten. Eine fiel direkt auf die Knie, und zwei andere zogen nach schmerzvollem Staksen die Schuhe einfach aus. Anwesende applaudierten zu dieser Entscheidung, andere flüsterten gehässig: "Tja, eben doch kein Top-Model…" (diese Aussage diskreditiert den Schwätzer selbst!)

Das sind nur einige Designer, die auf der Fashion Week ihre Kollektionen vorgestellt haben. Es wurden viele wirklich tragbare Kreationen gezeigt, doch irgendwie frage ich mich als normale Frau: "Bodenlanges Seiden-Chiffonkleid im Winter??? Oder transparente Spitzenkleider??? Leder-Hotpants???" Ja. Sie müssen es wollen, aber noch viel wichtiger, Sie brauchen den Anlass dafür.  Sie können doch einen wärmenden kuscheligen Webpelzmantel tragen (wurde bei einigen Designern gesichtet). Oder Sie fragen Ihren Gatten, ob er sie über den Bordstein zur Oper trägt, dann hat sich das Frost-Problem erledigt.

Leise fallen dicke Schneeflocken vom Himmel. Es ist Samstagmorgen und irgendwie liege ich in direkter Symbiose mit meinem Bett und verspüre überhaupt keinen Drang mich nur ansatzweise zu bewegen. Die letzten Tage geistern mir durch den Kopf… und den Körper. Nur eine Nacht nach der Fashion Week war es wie in einer Blase. Eine Blase, in der es um Stil, Schnitte, Farben, Materialien, Texturen und Kombinationsgabe ging.

Designer sind schon sehr mutig, wenn sie uns im Herbst der kommenden Saison in Tüll, Spitze oder gar transparentem Latex sehen wollen. Folgendes ist nichts für Vegetarier: Leder. In allen Variationen. Glatt bis rau, in Fransen oder geflochten, am liebsten in Schwarz oder ganz in Pastell. Kombiniert zu raffinierten Seide- oder Satinblusen, mit Grob- oder Feinstrickteilen, selbst Jeans und Latex wurde in Kombination gesichtet.

Was in vorangegangenen Tagen an Farbe präsentiert wurde, zieht sich wie ein Pizzateig durch die Kollektionen: Orange bis Kupfer, Weinrot bis die Farbpalette nichts mehr hergibt und natürlich Beerentöne. Selbst Gold ist wieder In. Obwohl Schwarz (physikalisch betrachtet) das Fehlen eines Farbreizes ist, setzten es die Designer in ein gutes Licht. Entweder in knackigen Lederleggings (Dimitri), einem Kurz-Blazer mit Schoß (Anne Groke), einer High-Waist-Lederhose in farblichem Kontrast (olivfarbenes Rauleder trifft schwarzes Glattleder), die somit eine Traum-Silhouette zeichnet (Maisonnee). Sie sehen, man kommt um diese schönen Kreationen nicht herum. Lassen sie doch die Trägerin ein wenig rebellisch wirken…

Weniger Rebellisch, dafür feminin die wunderschönen Kleider von Irene Luft. Bestickte bodenlange Prêt-à-porter-Kleider in zartem Gold, Spitze mit kleinen Kristallen und schwarze Tüllröcke umhüllen uns glamourös. Holy Ghost zeigte uns wie lang Mäntel getragen werden und verzierte diese gekonnt mit kleinen Stickereien und setzte damit ein Statement. Anne Gorke lässt uns in leichten Print-Kleider mit Ahornblättern in den Herbst ziehen, wobei die Kleider für den Herbst definitiv zu luftig sind. Da kommen dann wieder Mäntel aus Faux Fur zum Einsatz oder Webpelz.

Der Plissee-Rock feiert sein Comeback, natürlich in Rot (Maisonnée). Tulpen Design spaltete sich dieses Mal auf in: Tulpen Design und Manuel Kirchner. Anwesende freuten sich über eine verlängerte Laufstegpräsentation. Nur der Unterschied war einigen nicht ganz klar, was aber nicht weiter ins Gewicht fiel, denn die Kleider waren wieder umwerfend. Leicht und tragbar, schmeichelnd und weiblich-modern.

Das Label Baldessarini hingegen wünscht sich von seinen männlichen Kunden im Herbst, dass sie Hochwasserhosen tragen. Nicht italienisch, sondern eher im Friesen-Look. Wer sowas trägt, sollte unbedingt auf Kniestrümpfe achten: Wer möchte in einem Meeting auf die entblößte Wade des Chefs blicken? Prinzipiell wurden hochwertige Materialien gekonnt auf den Mann gebracht.
Was auch auffiel: Irgendwie fiel die Promi-Dichte in diesem Jahr recht dünn aus. Lag's am Wetter?

Nun hat die Hetzerei vom Zelt am Brandenburger Tor, zum Kronprinzenpalais unter den Linden, zum me Collectors Room und vielen anderen Locations ein Ende. Es kehrt Ruhe ein. Die Füße hoch gelegt, das Buch im Schoß und vor den flackernden, wärmenden Flammen des Kamins wieder zu Hause angekommen. Dicke Schneeflocken fallen vom Himmel…

Bilder und Videos von der Mercedes Benz Fashion Week Herbst Winter 2016/2017 gibt es auf unserem Fashion & Lifestyle Blog by Katrin & Lars.

 


Eintrag vom 22.01.2016


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