Der Gendarmenmarkt gilt nicht ohne Grund als einer der schönsten Plätze Europas. Wer heute, 200 Jahre nach der Eröffnung des Schinkelschen Originalbaus im Mai 1821, aus dem Konzerthaus am Gendarmenmarkt auf die imposante Freitreppe hinaustritt, schaut auf ein grandioses städtebauliches Ensemble.
 
Ministerien in der Nachbarschaft, große Anwaltskanzleien, nahe gelegene Einkaufsmeilen und Touristenherbergen sorgen für ständige Bewegung auf einem Platz der – typisch für Berlin – hier und da ein paar Abnutzungserscheinungen zeigt und auf dem eigentlich immer irgendein Bauzaun steht.
 
Und in der Platzmitte thront Friedrich Schiller auf seinem Denkmalsockel, als sei alles schon immer so gewesen. Aber so ist es nicht. Die Geschichte des Gendarmenmarktes war und ist ein stetes Werden und Wandeln. Immer wieder haben sich das Leben auf dem Platz und sein Antlitz verändert. Und der alte Glanz, in dem der Gendarmenmarkt heute erstrahlt, ist eigentlich ein neuer Glanz.
 
Doch was genau ist alt, am Gendarmenmarkt, und was ist neu? Was ist "Original", und was "Kopie"? Wer über den Gendarmenmarkt läuft, ohne die Antworten schon zu kennen, den vermag der Schein leicht zu trügen.
 
Der Gendarmenmarkt war einmal Wald und Wiese vor den Toren einer mittelalterlichen Stadt, wurde Kirchplatz, Kasernenplatz, Marktplatz und Theaterplatz. Ihn zierten Fontänen, er wurde bepflanzt, dann gepflastert – bis der Bombenhagel des Zweiten Weltkriegs alles in Trümmern legte.
 
Vier Jahrzehnte schlummerte er einen Dornröschenschlaf, aus dem ihn Anfang der 1980er Jahre Architekten und Stadtplaner erweckten, die in Ost-Berlin ein Stück preußischer Architekturgeschichte wiederbelebten. Als er entstand, lag der Gendarmenmarkt am Stadtrand. Mit dem Mauerbau geriet er ins Abseits. Heute ist er wieder in der Mitte Berlins angekommen.

TV-Tipp: 'Geheimnisvolle Orte: Der Gendarmenmarkt'; RBB, 25. Mai 2021, 20.30 Uhr
Ein Film von Linn Sackarnd