Wotan Wilke Möhring: Warum er plötzlich kein Punk mehr sein wollte

Gendarmenmarkt.de traf Wotan Wilke Möhring zum Interview und sprach mit ihm über seine Punk-Vergangenheit, sein Fazit zum 50. Geburtstag und darüber, was er seinen Kindern unbedingt mit auf den Weg geben möchte.
Szenenfoto aus "Happy Burnout" mit Wotan Wilke Möhring als Punk. © Facebook.com/HappyBurnout.DerFilm; Teaser: © Siebbi. Lizenz: CC BY-SA 3.0 via Wikimedia Commons

Er ist einer der beliebtesten und gefragtesten Schauspieler Deutschlands: Wotan Wilke Möhring. Gerade stand er auf dem Gendarmenmarkt in Berlin-Mitte vor der Kamera für den Film "Steig.Nicht.Aus", in dem er einen Bauunternehmer und Familienvater mimt, der eine Bombendrohung erhält. Im Kino ist Möhring, den viele Zuschauer vor allem als "Tatort"-Kommissar kennen, wiederum in einer ganz anderen Rolle zu sehen, eine mit vielen Facetten: In "Happy Burnout" spielt er einen Punk namens Fussel.

Quasi ein Ausflug in seine eigene Vergangenheit; ist die Figur des Fussel an sein früheres Ich angelehnt? "Könnte man meinen, weil ich selbst mal Punk war", so Wotan Wilke Möhring zu Gendarmenmarkt.de. "Aber nein, ich hatte jemand anderen vor Augen: einen Freund aus der damaligen Zeit. Ich weiß ehrlicherweise gar nicht, ob es ihn noch gibt. Vielleicht erkennt er sich ja wieder – zum Beispiel am Gang, den ich versucht habe, zu imitieren." (lacht) 

Der Schauspieler verrät, warum er dann damals doch lieber Bundeswehrsoldat geworden ist: "Die Regeln, auf die ich ich plötzlich in der Punk-Szene stieß, gefielen mir, der ich mich quasi dem Chaos verschrieben hatte, so gar nicht. (lacht) Also dachte ich mir, könne ich doch gleich zum Bund gehen." Ein Schlüsselerlebnis gab es dazu auch: "Als ich mal auf einem Konzert war, wurden zwei Punks von anderen dumm angemacht, weil sie braungebrannt aus dem Urlaub zurückgekommen waren. Nach dem Motto ,Ein Punk ist nicht braun und macht auch keinen Urlaub'. Das fand ich grotesk und hat etwas in mir verändert."

Parallelen zu Fussel gibt es trotzdem: Ähnlich wie er ist Wotan Wilke Möhring ein guter Zuhörer. "Allerdings bin ich ungern jemand, bei dem man nur Zeug ablädt", sagt er zu Gendarmenmarkt.de. "Ich lasse mich ein, wenn das Gegenüber wirklich eine Response erwartet. Ich glaube schon, dass ich ein guter Zuhörer und Ratgeber bin – wobei man im Ratgeben ja eh meist besser ist als darin, ihn anzunehmen und umzusetzen." (lacht)

Am 23. Mai wird der TV- und Kino-Star 50 Jahre alt. Faule Kompromisse, was seine Rollen angeht, sagt er, habe er nie machen müssen. "Ich schäme mich für wenig, habe einfach vieles ausprobiert – und sei es nur, weil mich eine Rolle physisch herausgefordert hat, weniger wegen der Tiefe der Figur."

Privat ist er Vater dreier Kinder (8, 5, 4). Gibt es etwas, was er ihnen unbedingt mit auf den Weg geben will? "All das, was mir wichtig war und ist: Neugier; keine Angst vor Veränderung; Selbstbewusstsein, auch im Sinne von Bewusstsein für das eigene Handeln – und daraus resultierend: Respekt vor anderen. Und nicht zuletzt: Liebesfähigkeit, sich und Menschen gegenüber."


Eintrag vom 15.05.2017


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