"Wir wirken irgendwie ein wenig überirdisch, speziell, nicht so ganz wie echte Menschen"

"Wie schreibt man Liebe?" – so heißt die neue Romantik-Komödie mit Hugh Grant. Gendarmenmarkt.de bekam vorab in Berlin ein seltenes Interview mit dem Schauspiel-Star! Grant verrät, wie er sich in den letzten Jahren neu erfand, wie er mit dem Rummel um seine Person umgeht und wie er den Berliner Mauerfall vor 25 Jahren erlebte...
Hugh Grant mit Marisa Tomei in "Wie schreibt man Liebe?" (ab 13.11. im Kino). Alle Fotos: © Constantin Film

Regent Hotel, Charlottenstraße, Berlin-Mitte, direkt am Gendarmenmarkt, im Salon Taut. Hier sitzt er: Hugh Grant. Leinwandheld, Frauenschwarm und seit einiger Zeit... politisch Engagierter. Doch dazu später mehr. Die Zeit ist knapp!

Der Schauspiel-Star ist nach seinem Auftritt bei "Wetten, dass..?" am Samstag in Graz direkt nach Berlin geflogen, um seinen neuen Film "Wie schreibt man Liebe?" zu promoten, der am 13. November in die Kinos kommt. In der Romantik-Komödie spielt er einen Drehbuchautor, der alles hatte (Oscar, Frau, Geld) – und alles verlor. Sein einziger Ausweg: An einem College in einem verschlafenen US-Ostküstenort darf er Drehbuchkurse geben. Doch das endet in einem heillosen Gefühls-Chaos.
Gendarmenmarkt.de bekam eines der seltenen Interviews mit Hugh Grant.


Herr Grant, in Ihrem Film „Wie schreibt man Liebe?“ geht es um den Prozess des sich selbst Neuerfindens – kennen Sie das? Mal etwas ganz anderes zu tun?
Hugh Grant: Nun, der Mann, den ich spiele, erfindet sich nicht bewusst neu, sondern es passiert versehentlich. Und so erging es mir in einem gewissen Maße die vergangenen Jahre auch. Das war sehr erfrischend. So schrieb ich zum Beispiel einen Artikel über die schlimmsten Exzesse der britischen Tabloid-Zeitungen und bin nun Teil dieser Bewegung (die „Hacked Off“-Kampagne, Anm.d.Red.). Das ist eine große Sache und ist wie ein Full-Time-Job. Und es ist fabelhaft, nach 30 Jahren Schauspielerei etwas komplett anderes machen zu können! Viele Leute, die ich treffe, haben überhaupt nichts mit dem Showbusiness zu tun, das ist sehr belebend.

Apropos Showbusiness. In Ihrem Film sagen Sie einen bemerkenswerten Satz: „Menschen auf der Leinwand sind keine Götter.“ Passiert es Ihnen im wahren Leben, dass manche Leute Sie dennoch so sehen, unnahbar wie ein Gott?
Grant: Alle, die wir in der Öffentlichkeit stehen, wirken irgendwie ein wenig überirdisch, speziell, nicht so ganz wie echte Menschen. Aber das ist ja nicht ernsthaft der Fall. Um auf die Frage zurückzukommen, das ist für mich nicht so schwierig. Ehrlich gesagt, ist es kein großes Ding! (lächelt)

Berlin feierte gerade das 25. Jubiläum des Mauerfalls. Wo waren Sie, als am 9. November 1989 in der deutschen Hauptstadt die Mauer fiel? Können Sie sich an den Tag erinnern?
Grant: Ja! Ich befand mich gerade in einem ziemlich üblen Hotelzimmer in Paris, wo ich einen Low-Budget-Film drehte. Es war sehr, sehr dramatisch. Klar erinnere ich mich, es war aufregend. An dem Tag erlebte man Geschichte. Und das ist ziemlich selten.

Sie sind heute politisch sehr engagiert.
Grant: Auf bestimmten Gebieten, ja, nicht in der Politik allgemein. Damals, 1989, war ich noch nicht so politisch. Aber man muss nicht an Politik interessiert sein, um sich für den Fall des Eisernen Vorhangs zu interessieren.

Herr Grant, herzlichen Dank für das Gespräch.



Eintrag vom 11.11.2014


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