"Ich fühle mich sehr angekommen"

Dieser Abend wird gewissermaßen legendär: Roger Cicero singt am 6. Juli beim Classic Open Air auf dem Gendarmenmarkt eine Hommage an Frank Sinatra. Mit auf der Bühne werden weitere prominente Künstler wie Sarah Connor und Sasha stehen. Cicero verriet Gendarmenmarkt.de, warum er gerade so glücklich ist und mit welchem Prinzip er gebrochen hat. 
Roger Cicero tritt anlässlich des 100. Geburtstages von Frank Sinatra auf. Teaserfoto: © Kristina Schäfer

Gänsehaut ist garantiert, wenn an diesem Abend die Sonne untergeht und sich die Sterne allmählich über den historischen Gendarmenmarkt spannen: Illustre Stars stehen auf der Bühne und lassen eine Hommage an eine Legende erklingen. Roger Cicero präsentiert am 6. Juli im Rahmen des Classic Open Air den Auftakt seiner Konzertreihe "Cicero sings Sinatra". Anlass ist der 100. Geburtstag von Frank Sinatra, der die Musikgeschichte mit Welthits wie "My Way" und "Something Stupid" prägte. Cicero swingt bei dem Auftritt mit berühmten Kollegen wie Sarah Connor und Sasha und: feiert einen weiteren Geburtstag, nämlich seinen eigenen. Im Interview mit Gendarmenmarkt.de verrät der Sänger, warum er genau dies eigentlich nie wieder machen wollte, wie er Sasha in einer Hamburger Kneipe auf der Reeperbahn kennen lernte und warum sein Leben jetzt, mit fast 45 Jahren, endlich vollkommen ist.

Gendarmenmarkt.de: Das Konzert ist eine Hommage an Frank Sinatra, der 100 Jahre alt geworden wäre. Wie hat Sinatra Sie persönlich in Ihrem Leben inspiriert?
Roger Cicero: „Das war eine sehr späte Liebe. Erst am Anfang meines Studiums, mit Anfang 20, wurde ich von einem Kollegen aufmerksam gemacht auf eine Live-Aufnahme, „Live at the Sands“ mit der Count-Basie-Big-Band. Da hat es mich zum ersten Mal richtig gepackt, quasi weggeblasen. Da war es für mich spürbar, was für ein Ausnahmekünstler das war. Die Musik hatte ich vorher auch schon immer gehört – aber ab da war ich begeistert! Zudem hat Sinatra eine sehr interessante Biografie, die von Durchhaltevermögen geprägt war.“
 
Gendarmenmarkt.de: Und nun haben Sie Sinatra gleich eine ganze Konzertreihe gewidmet...
Roger Cicero: „Es hätte an Wahnsinn gegrenzt, den Aufwand, den ich mit der Hommage an ihn betreibe, auf ein Konzert zu begrenzen. Daher ist es eine logische Schlussfolgerung, daraus mindestens eine Reihe zu machen. Ich habe jetzt drei Monate lang zwei Arrangeure beschäftigt, da jedes einzelne Stück der 20 Titel neu arrangiert wurde für meine Big Band. Das Konzert auf dem Gendarmenmarkt ist der Auftakt, wobei es kurz vorher zwei Warm-ups geben wird, bei denen wir das Programm schon einmal spielen, damit es beim Classic Open Air nicht das erste Mal sein wird – das haben die Berliner nicht verdient.“ (lacht laut; er ist selber Berliner)
 
Gendarmenmarkt.de: Sie treten an dem Abend mit Sasha und Sarah Connor auf – wie und wo haben Sie Ihre beiden Kollegen kennen gelernt?
Roger Cicero: „Sasha lernte ich schon vor ungefähr 15 Jahren kennen – auf dem Hamburger Kiez. Damals hatte er schon seinen Durchbruch, meine Karriere ließ hingegen noch auf sich warten. Ich spielte noch in Angie’s Nightclub, er kam von einer Gold-Verleihung und war noch in eine Kneipe eingekehrt. So sind wir uns erstmals begegnet und haben da auch gleich zusammen gesungen. Wir sind uns dann immer mal wieder über den Weg gelaufen, aber intensiviert hat sich unser Kontakt in Südafrika zu den Dreharbeiten zu ,Sing mein Song’. Genauso so war es auch mit Sarah Connor, die ich auch vorher schon kannte. Aber erst dort hatte ich mehr mit ihr zu tun."

Gendarmenmarkt.de: Was macht Sarah und Sasha prädestiniert für das Sinatra-Konzert?
Roger Cicero: „Sasha hat Affinität zum Jazz und zum Swing, er war also mein erster Gedanke, als es um Duett-Partner ging. Sarah lag ebenfalls nah – auch sie hat Jazzsängerinnen-Qualitäten. Das hat mich sehr gefreut, als sie zusagte. Wir werden ein Duett zusammen singen.“
 
Gendarmenmarkt.de: Welche persönliche Beziehung haben Sie zu dem Gendarmenmarkt, auf dem das Classic Open Air stattfindet?
Roger Cicero: „Ich bin in Westberlin aufgewachsen, und daher war der Gendarmenmarkt damals, mit 18 Jahren, nicht so mein Kiez. (lacht)  Später war ich natürlich immer mal wieder auf dem Platz, habe ja auch schon mal auf dem Classic Open Air gespielt. Es ist eine atemberaubend schöne Kulisse, ganz einmalig. Als Künstler weiß man gar nicht, was schöner ist: da zu spielen oder sich das im Publikum anzugucken.“
 
Gendarmenmarkt.de: Sie feiern bei dem Konzert gleichzeitig Ihren 45. Geburtstag! Welche Bedeutung hat das für Sie, an dem Tag vor Publikum zu stehen?
Roger Cicero: „Ich habe mir vor sieben, acht Jahren geschworen, nie wieder an meinem Geburtstag zu spielen. Das war mir damals einfach zu stressig. Ich konnte nichts richtig genießen, weder meinen Geburtstag richtig feiern noch meinen Freunden gerecht werden, die mich an dem Abend besucht hatten. Die komplette Plattenfirma war anwesend, der Konzertveranstalter ebenfalls – und tausend Leute. Mit jedem konnte ich gefühlt 7,3 Sekunden reden. Danach bin ich erschöpft und gestresst nach Hause gefahren und habe mir gedacht: nie wieder. (lacht) Doch nun war der 6. Juli der letzte freie Abend beim Classic Open Air. Und dann fand ich es doch ganz passend und stimmig. Der 100. Geburtstag von Frank Sinatra, mein 45. Geburtstag in Berlin, meiner Geburtsstadt. Dann wollte ich doch eine Ausnahme machen.“
 
Gendarmenmarkt.de: Wer wird im Publikum von Ihnen dabei sein – und werden Sie nach dem Konzert noch ein wenig feiern?
„Natürlich bin ich in erster Linie da, um das Konzert zu geben. Und danach werde ich es einfach ruhig angehen lassen – und es so nehmen, wie es kommt. Es werden ein paar gute Freunde aus Berlin dabei sein und einige werden auch aus Hamburg anreisen. Mein Sohn wird leider nicht da sein können, weil er in die Schule muss am nächsten Tag. Das ist ein wenig schade. Meine Freundin wird ebenfalls nach jetzigem Wissenstand nicht dabei sein. Sie muss arbeiten. Das müssen wir wahrscheinlich nachfeiern.“

Gendarmenmarkt.de: Was wünschen Sie sich, auch angesichts Ihres 45. Geburtstages, für die Zukunft?
Roger Cicero: „Ich möchte noch viel sehen und erleben. Aber ich habe keine Veränderungs-Fantasien. Ich bin momentan sehr glücklich und dankbar, wie bisher alles gelaufen ist und möchte das genau so weitermachen – so lange wie es geht. Ich fühle mich sehr angekommen.“

Gendarmenmarkt.de: Herr Cicero, herzlichen Dank für das angenehme Gespräch.

 


Eintrag vom 19.06.2015


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