"Ich bin ein wilder Hund, werde es auch immer bleiben"

Einen illustreren Ort hätte sich Matthias Reim kaum aussuchen können: Der Musiker stellte im Promi-Restaurant "Borchardt" in Berlin-Mitte am Gendarmenmarkt sein neues "Best Of"-Album vor. Im Interview mit Gendarmenmarkt.de spricht Reim über wilde Zeiten, Träume und die Liebe zu seiner Frau. Und er verrät, warum er sich ihren Namen trotzdem nicht tätowieren lassen würde...
Kleine Live-Session: Matthias Reim im 1st floor vom Berliner Promi-Restaurant "Borchardt". © K. Poehls

Seine blauen Augen blitzen, er ist gut gelaunt. Über einen gestrigen Stau bei Magdeburg kann sich Matthias Reim herrlich aufregen, anderthalb Stunden habe er gebraucht für 20 Kilometer. Doch das ist heute alles vergessen und eh unwichtig, denn es gibt was zu feiern. Seine Platte "Die Leichtigkeit des Seins" hat Gold-Status, er kehrt am 29. Dezember auf die Bühne der Berliner O2-Arena zurück UND: Es kommt ein neues Album auf den Markt. Ein Best-Of, kombiniert mit einer Unplugged-CD. Für die Präsentation der Platte im Promi-Restaurant "Borchardt" in Berlin-Mitte haben sich viele Fotografen und Journalisten eingefunden. Der Sänger greift zur Begeisterung der Anwesenden selber zur Gitarre und singt, signiert CDs und unterhält sich entspannt bei Wiener Schnitzel und Mineralwasser.
Im Interview mit Gendarmenmarkt.de spricht Reim über seine Liebe zur Musik, zu Berlin und die zu seiner Ehefrau Sarah.

Matthias, was bedeutet Berlin für dich?
Für mich ist es die geilste Stadt der Welt! Schon wenn ich hier lande, – sorry, ich muss es sagen: Tegel ist geil! – merke ich, Berlin hat einen Zauber. Es hat für mich nicht Anschein eines Großstadt-Molochs. Sondern es ist eine Kleinstadt neben der anderen. Ich habe Ende der 90er zwei Jahre lang in Berlin gewohnt und habe so gern hier gelebt. Ich bin nur der Liebe wegen weggezogen – was im Nachhinein ein Fehler war. Ich hatte hier sogar mit meinem Bruder ein kleines Segelboot, mit dem wir zusammen auf der Havel geschippert sind. Aber auch allein die Konzerte, die ich hier erleben durfte. Nach meinem Untergang, als ich wieder versucht habe, auf die Füße zu kommen, war das Konzert im Jahr 2001 in Berlin das einzige, was ausverkauft war. Da war der harte Kern. Und 13 Jahre später, heute, sind wir in der O2-Arena – das ist ein tolles Gefühl.

Hast du Plätze in Berlin, die du so richtig gern hast?
Ich finde immer noch den Kurfürstendamm klasse. Die kleinen Seitenstraßen, die Restaurants. Auf dem Kudamm habe ich übrigens auch damals im Mai, bei herrlichstem Sonnenschein, in einer Telefonzelle die Nachricht bekommen, dass „Verdammt, ich lieb dich“ auf Platz eins gegangen ist. Und ich mag das Hotel Esplanade, dort wohne ich seit 25 Jahren, immer, wenn ich in Berlin bin.

Wenn Berlin ein Song wäre, welcher wäre es dann? Es kann auch einer von dir sein.
(kurze Pause) „Ich hab mich so auf dich gefreut“. Das passt. Immer wieder.

Was ist das für dich persönlich Besondere an dem „Best Of“-Album, über das wir heute hier sprechen?
Dass ich die Songs selber zusammengesucht habe, mich mit meinem Werk aus 23 Jahren beschäftigt habe, was mir übrigens gar nicht so lange her vorkommt, sondern viel kürzer. Und habe dann etliche Schätze gefunden. Songs, die viele Menschen gar nicht mitgekriegt haben. Geschichten, die ich gern erzähle, über Liebe – wo es dann schief geht. Und ich Schuld bin. Was ich ja auch meistens bin...

Ja?
...doch, ich bin ein wilder Hund. Werde es auch immer bleiben.

Welche Gefühle haben dich also bei der Betrachtung deines Werkes befallen? Melancholie? Schuld?
Ganz im Gegenteil, ich bin stolz auf mich.

Keine Wehmut, dass die Jahre dahinziehen?
Doch manchmal. Nicht weil ich unzufrieden bin, wo ich jetzt bin. Sondern es geht zu schnell. Das Runterzählen. Aber wenn ich dann im Fernsehen sehe: Udo Jürgens wird 80! Oder Leonard Cohen. Dann sag ich, wie geil ist denn, siehste, geht doch. Wenn das Leben es gut mit dir meint und du nicht vorher tot umfällst. Mein Ziel und Traum ist es, so akzeptiert und anerkannt zu sein in dem Alter wie die vorher Genannten. Und die haben ja auch vorher gelebt, dass die Schwarte kracht. Ich finde es generell wichtig, sich die Freiheit zu bewahren, nach Glück zu streben. Auch wenn es manchmal unvernünftig erscheint.

Wer oder was ist dein momentanes Glück?
Meine Lebenssituation. Und meine große Liebe ist und bleibt die Musik.

Wenn das die Frauen hören!
Nein, es ist einfach so. Ich weiß nie bei einer Frau, wann sie genug von mir hat und sagt: Schatz, ich lieb dich nicht mehr, ich geh. Aber die Musik bleibt immer und ewig. Und Kinder auch. Ich würde mir die Namen meiner Kinder tätowieren, aber nicht den Namen meiner Frau. Das heißt nicht, dass ich nicht hoffe, dass meine Frau bei mir bleibt. Wir sind ja nach einem halben Jahr Auszeit wieder glücklich zusammen. Wir haben gesagt: „Es ist doof ohne dich, wir machen da einen Strich drunter.“

Welche Träume willst du dir in Zukunft noch erfüllen?
Einfach weiter machen. Gesund bleiben, die Kräfte behalten, kreativ bleiben. Und wenn ich irgendwann noch mal die Zeit habe: einen Hubschrauberführerschein machen. Vielleicht nicht so ein Ding besitzen, das könnte ich mir nicht leisten. Ich muss mein Haus abbezahlen, habe Kinder... Aber einen Hubschrauber kann man sich ja auch leihen! (lacht)

Matthias, danke für das Gespräch!

Im Gespräch mit Kristina Poehls. © Matthias Nareyek


Eintrag vom 06.11.2014


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